Musik und Liturgie im Amsterdamer Beginenhof um 1600

Als im Jahr 1578 der Rat der Stadt Amsterdam geschlossen zum Calvinismus überging, bedeutete dies das Ende der blühenden mittelalterlich-religiösen Kultur der Stadt. Katholische Institutionen - Kirchen, Klöster, semireligiose Konvente - wurden in einer unblutigen Aktion aufgehoben. Mit einer Ausnahme: dem Beginenhof. Der  Versuch, auch ihn aufzuheben, stiess auf grossen Widerstand,  denn die Beginenhäuser waren Privateigentum der Bewohnerinnen. So wurde der Beginenhof eine katholische Enklave im calvinistischen Amsterdam. Die Kirche auf dem Hof allerdings war kein Privateigentum, so wenig wie die liturgischen Bücher, und wurde nach einer Periode des Leerstands ab 1607 der englischen presbyterianischen Gemeinde zur Verfügung gestellt. Die Beginen feierten ihre Gottesdienste in einem der Privathäuser, das als Hauskirche diente.

Aus dieser Zeit - um 1600 - sind aus der Bibliothek des Beginenhofs drei Bücher mit Gesängen vor allem für die Sonntage überliefert: zwei von Phalèse gedruckte Cantualia und ein Sammelcodex, der sowohl liturgische Drucke als auch ein handgeschriebenes, 200 Folia umfassendes Buch mit ein- und zweistimmigen liturgischen Gesängen enthält, sowie einige ein- oder mehrstimmige lateinische oder niederländische geistliche Lieder.

Diese in der Frühzeit nach der Reformation benutzten Gesangbücher können Aufschluss über Musik und Liturgie im Amsterdamer Beginenhof in der Hauskirchenzeit geben - einer Zeit also, als liturgische Feiern nicht länger in einer Kirche und noch nicht inder Kapelle stattfanden, sondern in einem der kleinen Wohnhäuser des Beginenhofs. Was bedeutete diese Situation für die liturgischen Feiern?  Welche Bereiche des liturgisch-musikalischen Lebens werden von diesen Codices abgedeckt? 

 

Contents Nijmegen cod. 402

1a: Psalmi per Hebdomadam
(Reprint Phalesius 1568?)

1b: Hymni per totum annum (print s.l. s.a.)

1c: Hymni ex veteri Vsu Belgicarum Ecclesiarum desumpti. Ad vesperas. Anno 1609 (print)

1d: Officium defunctorum (print s.l. s.a.)

2: Officium sepelendi mortvos Secundum vsvm Ecclesiarvm Diocesis Mechliniensis […] Antverpiae, Christophori Plantini apud Viduam, M.D. LXXXIX [1589]

3a: Aenwijser om te vinden die Antiffens der vesperen … voor die begyntgens opt ronde begynhof tot Amsterdam (ms.)

3b: Versikelen der vesperen voor die Sondaegen… (ms.)

4:  Cantuale with plainchant and songs, both monophonic and simple polyphonic (ms.)

 

Dieses Projekt ist Teil des europäischen HERA (Humanities in the European Research Area)-Projekts Sound Memories: The Musical Past in Late-Medieval and Early-Modern Europe (SoundMe).

 

Beginenhof Amsterdam

Amsterdamer Beginen

Archiv des Beginenhofs

Musikquellen aus Beginenhöfen

 

Literatur

U. Hascher-Burger, "Zang op het Begijnhof", in: Tijdschrift voor Gregoriaans 24-4 (1999), 126-132.

Hascher-Burger/Lähnemann 2013, 125A

RISM B IV 4, 1118-1122

J.J. Mak, Middeleeuwse kerstliederen, Utrecht/Brussel 1948, 31, 55. Mit Edition zweier Lieder aus Nijmegen 402 (= hs. Begijnhof Amsterdam).

Mannaerts, Beghinae in cantu instructae, 241-244

W. P. H. Jansen, ”Op het Begijnenhof te Amsterdam”, in: Tijdschrift der Vereeniging voor Noord-Nederlands Muziekgeschiedenis Deel 4, 3de Stuk (1893), pp. 137-159 (mit Edition einiger zweistimmiger Lieder).
 

Poster zum Projekt

 

 



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